Mehr Raum für Aufarbeitung der „Option“ und ihre Folgen

Foto: (Von li.) Helmuth Angermann, Erika Felkel, LR für deutsche Kultur Philipp Achammer (Südtirol), Kulturlandesrätin Beate Palfrader, Bürgermeister Dietmar Wallner, Walter Felkel

Im Zuge von „Italienisierungsbestrebungen“ wurden deutschsprachige SüdtirolerInnen 1939 vor die Wahl gestellt, entweder als „OptantInnen“ Südtirol zu verlassen, oder aber in ihrer Heimat zu bleiben und ihrer Sprache und Kultur den Rücken zu kehren. „Zahlreiche Familien und Freundschaften wurden durch die ‚Option‘ entzweit, die Betroffenen vor Herausforderungen gestellt. Viele jener, die sich für ein Auswandern aus Südtirol entschieden hatten, zog es in die Gegend rund um Jenbach“, sagte Kulturlandesrätin Beate Palfrader im Zuge der Eröffnung des Dokumentationszentrums „Option“ in Jenbach und betonte: „Sicherlich ist es angenehm und richtig, die Glanzstunden der eigenen Geschichte in Erinnerung zu behalten. Ebenso wichtig ist es aber auch, dass wir der dunkleren Kapitel in der Vergangenheit Tirols und Südtirols gedenken, diese aufarbeiten und in der Auseinandersetzung mit dem Geschehenen aus der Geschichte lernen. Lernen, zu erkennen, dass Nationalismen und Machtmissbrauch früher oder später immer die Gesellschaft spalten, Demokratie und Freiheit bedrohen, und letztendlich Vertreibung, Leid und Not für die Menschen bringen. Ein Lehrsatz, der heutzutage wieder mehr und mehr an Gültigkeit gewinnt!“

Das Dokumentationszentrum wird vom Land Tirol für die Dauer von drei Jahren mit insgesamt 51.000 Euro finanziell unterstützt und beleuchtet Schicksale von „DableiberInnen“, „RücksiedlerInnen“ und „OptantInnen“.

„Der Bevölkerung Tirols wurde durch die ‚Option‘ ein Trauma zugefügt, dessen Folgen wir heute noch spüren – nördlich und südlich des Brenners. Dieses Unrecht historisch aufzuarbeiten ist unsere Pflicht all jenen gegenüber, in deren Familiengeschichte sich die Auswirkungen der ‚Option‘ bis in die Gegenwart niederschlagen“, unterstrich auch der Südtiroler Landesrat für deutsche Kultur, Philipp Achammer.

Synergien in der Vergangenheitsbewältigung

Im Jenbacher Museum wurde ein Dokumentationszentrum mit Räumlichkeiten eingerichtet, in denen Zeugnisse der „Option“ – Briefe, Dokumente, Filme und vieles mehr – gesammelt, digitalisiert und weiter erforscht werden. Die Dokumentationsarbeit wird vom Museumsverein Jenbach, dem Tiroler Landesarchiv, dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck sowie dem Gesamtverband der Südtiroler in Österreich getragen bzw. unterstützt und unterliegt hohen wissenschaftlichen Ansprüchen. Der Ausstellungsbereich im Jenbacher Museum, der schon vorher die Geschichte der Option von SüdtirolerInnen in Österreich zum Thema hatte, wird im Rahmen des nun angelaufenen Projekts in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der Südtiroler in Österreich modernisiert. Er wurde bereits um ein multimediales Angebot ergänzt und mit zusätzlichen Exponaten bestückt.

Bei gleichzeitigem besonderen Augenmerk auf den Datenschutz steht beim Ausstellungsbesuch eine Fülle an neu erschlossenem Quellenmaterial über die „Option“ bereit. Außerdem bittet das Dokumentationszentrum „OptantInnen“ und deren Nachkommen, dem Projekt weiteres Quellenmaterial zur Verfügung zu stellen.

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