Der Gesamtverband der Südtiroler in Österreich feierte sein 75. Bestandsjubiläum. Beim Festakt am 19. September in Innsbruck überbrachten Landeshauptmann Kompatscher und Landesrätin Deeg den Dank Südtirols. Ebenso würdigten NR Hermann Gahr, Südtirolsprecher im Parlament und Innsbrucks VBgm. Lassenberger die engagierte und fachkundige Arbeit der ehrenamtlichen Funktionäre des Verbandes.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde mit dem Vertrag von Saint-Germain Tirol entzweit und Südtirol Italien zugesprochen. Was folgte, waren dunkle und ungewisse Jahre für die Südtirolerinnen und Südtiroler, welche durch die Italianisierung des Landes nach und nach ihrer Sprache, Kultur und Herkunft beraubt werden sollten. Nach einem Abkommen zwischen Mussolini und Hitler wurde ab 1939 den rund 250.000 sogenannten „volksdeutschen“ Südtirolern im Rahmen der Option die Auswanderung aus Südtirol ins Deutsche Reich nahegelegt. Bis 1943 nahmen etwa 75.000 Menschen diese Option in Anspruch und verließen ihre Heimat. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges und der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten wurden die optierten Südtiroler zu Gestrandeten im besetzten Österreich. Von den Siegermächten wurden sie „übersehen“, ihre Zukunft war ungewiss.

Die Ungehörten bekamen jedoch schon bald eine Stimme: In ganz Österreich bildeten sich Betreuungsstellen, welche sich für die Interessen der Optanten in Österreich einsetzten. Im Oktober 1946 – also vor 75 Jahren – konstituierte sich der Dachverband dieser Betreuungsstellen, der Gesamtverband der Südtiroler in Österreich (GVS). Dieser erfasste die in Österreich verbliebenen Optanten und unterstützte sie, etwa bei der Vorbereitung für eine Rückoption.

Heute – 75 Jahre später – sind die beiden Landesteile Tirol und Südtirol wieder zusammengerückt und man kann auf eine enge Verbundenheit in allen Bereichen blicken. Nicht zuletzt die EU-Mitgliedschaft und die Schaffung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino haben den engen Austausch nachhaltig gefördert. Mitbeigetragen zu dieser Entwicklung hat auch der GVS mit seinen Funktionärinnen und Funktionären – sie haben geholfen, jene Brücken wieder zu errichten, die 1919 durch die Trennung Tirols eingerissen wurden. Was mit der Betreuung der Optanten begann, wird heute durch die Unterstützung von später übersiedelten Südtirolern sowie jener Landsleute ergänzt, die nur kurzfristig für ein Studium oder eine berufliche Weiterbildung nach Österreich kommen. Der GVS engagiert sich zudem in der Bewahrung der kulturellen Verbindungen in die „alte“ Heimat und fördert die Erinnerungskultur an die Zeit der Option. Dazu gehört neben der Aufzeichnung der Lebensgeschichten von Optantinnen und Optanten die Einrichtung einer Dokumentationsstelle für die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Zeit in enger Zusammenarbeit mit den Landesarchiven.
Nach dem Landesüblichen Empfang am Dr.-Alois-Lugger-Platz durch die Speckbacher Schützenkompanie und einem würdigen Festgottesdienst in der Kirche St. Pius mit Pfarrer Christoph Perterer samt Übergabe der gesegneten Fahnenbänder marschierten an die 450 TrachtenträgerInnen und 30 Fahnenabordnungen mit den Musikkapellen O’Dorf und Milland bei Brixen zurück in den Festsaal.

In seiner Festansprache spannte Präsident Helmuth Angermann einen emotionalen Bogen über die Geschichte der Südtiroler Umsiedler 1939-1944 bis heute zu den ca. 7000 Vereinsmitgliedern der 2. und 3. Generation in allen österr. Bundesländern. Soziale Belange, Tradition und Brauchtumspflege sowie der kulturelle Austausch über die Grenzen hinweg und in Treue zur alten Heimat Südtirol wurden durch unsere Ehrenprotektoren LH Günther Platter und LH Arno Kompatscher sowie den Alt-Landeshauptleuten Wendelin Weingartner, Herwig van Staa, Josef Pühringer und Luis Durnwalder stets unterstützt.

Den geselligen Nachmittag gestalteten die Kinder-Volkstanzgruppe aus Völs, die Sing- und Volkstanzgruppe Rosengarten aus Bregenz sowie die Chorvereinigung Wolkensteiner aus Innsbruck, die auch die Kranzniederlegung am Umsiedlerdenkmal bei der Südtiroler Siedlung in Innsbruck-Pradl musikalisch umrahmten.

Ein herzliches Dankeschön an die Fam. Thomann vom Verein der Südtiroler in Innsbruck für die perfekte Organisation der Veranstaltung unter Berücksichtigung aller Covid-Bestimmungen.

Präs. Helmuth Angermann

 

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